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PfD Konz kann weiterhin Initiativen und Vereine bei der Gestaltung der Demokratie vor Ort unterstützen

Jugendliche die ein Escape Game zu den Themen Europa und Demokratie entwickeln, engagierte Menschen die sich zum Politischen Salon treffen und gemeinsam diskutieren, junge Frauen die sich mit den Rechten von Frauen beschäftigen, Wissenschaftler die Orte der Erinnerung erfassen und zugänglich machen, pädagogische Fachkräfte die sich über Organisationsformen rechtsextremistischer Gruppierungen sowie deren Styles und Codes im Rahmen einer Fortbildung informieren oder Kindergarten und Grundschulkinder die mittels Büchern auf geografische und kulturellen Entdeckungsreise gehen - das alles sind Projekte und Aktionen, die in diesem Jahren trotz der Corona-Pandemie durch die PfD Konz unterstützt werden konnten.

Bereits seit 2015 wird die PfD Konz durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Seit Ende vergangener Woche der Zuwendungsbescheid an die Verbandsgemeindeverwaltung Konz übermittelt wurde ist klar, dass die Arbeit auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden kann.

Haben auch Sie Ideen für Projekte die sich für die Förderung der Demokratie, für Vielfalt und gegen Extremismus einsetzen? Gerne unterstützen wir motivierte Menschen, Gruppen und Vereine in ihrem Engagement für die Demokratie vor Ort. Gefördert werden können Einzelprojekte, die die Ziele der PfD verfolgen, mit einer Summe bis zu 5000,-€.

Bei Fragen und zur Entwicklung neuer Projektideen steht die Koordinierungs- und Fachstelle unter der Rufnummer 06501 94 05 0 oder per Mail unter info@demokratie-leben-konz.de zur Verfügung.

Die siebte Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie in der VG Konz, die am 24. August stattfand, war eine besondere. Und das sowohl organisatorisch wie auch inhaltlich. Am Ende stand aber trotz der aktuellen Corona-bedingten Auflagen für die Durchführung ein neues Zielsystem, das im Rahmen der Konferenz festgelegt wurde.

Anders als in den Vorjahren, als die Konferenzteilnehmer eng an Stellwänden zum Diskutieren zusammen standen oder in Tischrunden ihre Anliegen und Ideen formulierten, fand die diesjährige Konferenz mit gebührendem Abstand statt. So weit die etwa 30 Teilnehmenden in der Sporthalle in Konz-Oberemmel auch auseinander saßen, so nah waren sie doch bei der Beurteilung der Wichtigkeit der Arbeit der PfD und der Formulierung der Ziele für die kommenden Jahre beieinander. Folglich wurden auch die drei Leitziele „Demokratie fördern“, „Vielfalt gestalten“ und „Extremismus vorbeugen“, sowie die dazugehörigen Mittler- und Handlungsziele, nach kurzer Diskussion und mit einigen Anmerkungen verabschiedet.

Das Zielsystem, in das neben den Erkenntnissen aus der 2019 durchgeführten Situations- und Ressourcenanalyse auch Elemente des bisherigen Zielsystems der Förderperiode 2015-2019, sowie die Ergebnisse der Demokratiekonferenz 2019 eingeflossen sind, dient fortan als Grundlage für die Arbeit und Umsetzung der PfD Konz. Wie vielfältig die Möglichkeiten und Themen hier sein können, zeigten die im Rahmen der Konferenz vorbetragenen Berichte aus den derzeit laufenden und den geplanten Projekten.

Um die Ziele zu erreichen, braucht es die Mithilfe vieler Akteure vor Ort. Jede Organisation, jeder Verein und jede einzelne Person kann mit eigenen Projekten in der Verbandsgemeinde Konz mitmachen. Eine fachliche und finanzielle Förderung durch die PfD ist dabei grundsätzlich möglich.

Für weitere Fragen stehen die Mitarbeiter der Koordinierungs- und Fachstelle der PfD Konz unter der Telefonnummer 06501-94 05 0 oder per Mail unter info@demokratie-leben-konz.de gerne zur Verfügung.

Das aktuelle Zielsystem, weitere Infos für Interessierte und die Unterlagen für die Antragstellung sind >hier< als Download abrufbar.

„Wir brauchen bessere Gesetze und eine aktive Zivilgesellschaft“

Der Politische Salon Konz lud am 24. November erneut Bürgerinnen und Bürger zum politischen Gespräch ein – dieses Mal zum Thema „Soziale Spaltung? Demokratie in Gefahr?“ und zu der Frage „Wieviel Ungleichheit verträgt die Demokratie?“.

Knapp 30 Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren der Einladung gefolgt. Besonderer Gast war der ehemalige Oberbürgermeister von Trier und Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Sozialministerium, Klaus Jensen. Er beantwortete die Frage nach der Demokratiegefährdung durch soziale, wirtschaftliche, aber auch kulturelle Spaltung der Gesellschaft mit einem uneingeschränkten „Ja“. Eine Folge sei u.a. der aktuelle Rechtstrend. Jensen nannte Zahlen zu der mittlerweile extrem ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung. Er forderte aber zugleich dazu auf, den Blick nicht auf ökonomische Ungleichheitsverhältnisse zu verkürzen; auch im Hinblick auf Anerkennung, Teilhabe, Bildung und Mitwirkung fühlten sich viele Bürger und Bürgerinnen abgehängt. Jensen beklagte 199 politisch, zum Teil rassistisch motivierte Morde seit 1989 und eine wachsende Verrohung der politischen Auseinandersetzung auf allen Ebenen: „im Denken, in der Sprache, in der Befürwortung von Gewalt und schließlich in der Ausübung von Gewalt“. Der soziale und kulturelle „Kitt“ der Gesellschaft würden durch ihre Polarisierung und die zunehmende Vereinzelung der Menschen aufgelöst. Populisten zögen daraus mit ihrem Versprechen einer „Volksgemeinschaft“ („nur für Deutsche“) politisches Kapital.  Im Anschluss an Jensens Impuls diskutierten die Teilnehmer/innen über unterschiedliche Erscheinungsformen der sozialen Spaltung – auch vor Ort – und über Möglichkeiten, diesen Entwicklungen zu begegnen. Ein wichtiges Thema war die Frage nach den Ursachen von weit verbreiteten Zukunftsängsten und der Mangel an positiven Zukunftsentwürfen. Zwei Frauen sprachen sich dafür aus, den direkten Kontakt mit rechtsgerichteten Menschen in der Nachbarschaft zu suchen und deren Ängste ernst zu nehmen. Ein Teilnehmer wies auf die Schwierigkeiten des direkten Gesprächs zwischen Menschen mit ganz unterschiedlichen Wahrnehmungen der Welt, in der sie leben, hin. Auch die Politik sei gefordert, eine neue Zukunftsdebatte zu initiieren, die die Ängste, aber auch die Wünsche der Bürger und Bürgerinnen aufnehme und sich nicht nur an ökonomischen Erfordernissen orientiere. Oft fehlten den Politikern und Politikerinnen aber der Mut zur Zukunft und die Fähigkeit, Richtungsweisendes zu sagen. Jensen brachte es in seinem Schlusswort auf diesen Punkt: „Wir brauchen bessere Gesetze und mehr Engagement der Zivilgesellschaft.“ Der Politische Salon, zu dem eine Initiativgruppe aus Konzer Bürgern und Bürgerinnen einmal im Quartal einlädt, ist ein Baustein dieses Engagements. Er wird vom Caritasverband unterstützt und von der Lokalen Partnerschaft für Demokratie Konz gefördert.

(Bericht: Politischer Salon)