Seit vielen Jahren werden im Rahmen des Formates "Politischer Salon Konz" Themen angesprochen und diskutiert, die von großer gesellschaftlicher Relevanz sind und Einfluss auf das (Zusammen)leben der Menschen in der Region haben. So wurde am 15. März über die Gesundheitsversorgung und die Situation der Krankenhäuser in der Region Konz diskutiert.
Gesundheitsreformen: Fakten und Gefühle
Aktuelle Diskussionen zum Thema „Krankenhaus“ werden überwiegend emotional geführt. Gerade im Raum Trier plädieren viele Menschen für den Erhalt der kleineren Krankenhäuser in der Umgebung, nicht nur, aber auch, um im Notfall schnell ein Krankenhaus erreichen zu können. Doch können diese Krankenhäuser diese Erwartung auch erfüllen – und wie ist die wirtschaftliche Situation von Krankenhäusern wirklich?
Mit diesen und weiteren Fragen rund um das Krankenhaus und das Gesundheitswesen insgesamt beschäftigte sich der Politische Salon Konz in seiner Veranstaltung am 15.3.2026 unter dem Thema „Kranke(n) Häuser – Profit oder Patientenwohl?“. Ausgangspunkt waren einige durchaus provokante Thesen von Andreas Degelmann, Geschäftsführer der Augustinusgruppe in Neuss, die dort u.a. mehrere Krankenhäuser betreibt: „Es gibt keinen Pflegenotstand“, „Überkapazitäten sind die Regel“ oder auch: „Lauterbach hatte mit seiner Krankenhausreform grundsätzlich Recht – in Nordrhein-Westfalen funktioniert sein Ansatz auch bereits“.
Zu diesen Thesen und weiteren Argumenten des Referenten ergab sich eine angeregte Diskussion der mehr als 20 teilweise nachdenklich wirkenden Teilnehmer. Eine kleine Umfrage zeigte, dass einige der Anwesenden im Fall der Fälle (Orthopädie) weiter entfernte Fachkliniken bevorzugen, selbst wenn das nahegelegene Krankenhaus genau diese Fachabteilung aufweist. Anders ausgedrückt: Patientenpräferenzen wirken sich durchaus auch auf die Standortentscheidung von Krankenhäusern aus. Auch garantiert die Nähe eines Krankenhauses keineswegs die erwartete Notfallversorgung: Es gibt immer wieder Situationen, in denen der Notfallpatient vom am nächsten gelegenen (Land-) Krankenhaus in eine Spezialklinik verlegt werden muss, was zu einer (weiteren) zusätzlichen zeitlichen Verzögerung führen kann.
Trotzdem sind all das keine grundsätzlichen Argumente gegen kleinere Krankenhäuser, auch wenn einige Anpassungen durchaus unausweichlich erscheinen. Dabei muss deutlich zwischen strukturschwachen und städtisch geprägten Regionen unterschieden werden. Die Situationen von Krankenhäusern in Prüm einerseits und Hermeskeil – einem Beispiel, wo die Umwandlung in eine Regioklinik bereits erfolgreich umgesetzt wurde – oder Saarburg andererseits sind aufgrund der vorhandenen oder gerade fehlenden Nähe zu Großkrankenhäusern verschieden. Dem trage – so der Referent der Veranstaltung - die aktuell leicht abgemilderte Krankenhausreform der derzeitigen Gesundheitsministerin auch Rechnung – Schlagworte seien „Vorhalteleistung“, „Sockelbetrag“ oder „Sicherungszulage“.
In der Diskussion ging es aber auch um mehr grundsätzliche Aspekte der deutschen Gesundheitsvorsorge. Wie der Referent darlegte, funktionieren Privatkliniken grundsätzlich profitabler als solche unter Führung von karitativen Organisationen und diese wiederum wirtschaftlicher besser als solche in kommunaler Trägerschaft. Gerade im Bereich der Prozesssteuerung und Effizienz gelten privat geführte Kliniken häufig anderen Kliniken gegenüber als überlegen, wobei dies aber immer wieder auch zu Lasten notwendiger Investitionen geht. Auch sind Privatkliniken vor allem in städtischen Räumen keineswegs vor Insolvenz gefeit.
Auch wenn Krankenhäuser im Mittelpunkt standen, so wurden doch auch andere Themen zumindest erwähnt. Dazu gehörten die trotz wiederholter Versprechungen von Seiten der Politik seit mehr als 10 Jahren unveränderten Fallpauschalen der Apotheken, die Vielzahl der Krankenkassen und die Frage, in wieweit Deutschland im Gesundheitssektor auf den Bündnisfall vorbereitet ist. Es ist daher nicht erstaunlich, dass die Diskussionen in kleineren Kreisen nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung bei einem Glas Wasser, Saft oder Wein noch weitergingen.
(Text: Orgateam Politischer Salon Konz)
